Home -> Südwest Presse 23.09.2011



Roboter zum Selberbauen

Sogar Südkoreaner kaufen bei Qfix. Die Roboterschmiede aus Senden stellt für Jugendliche geeignete Bausätze her: Die Teile müssen verschraubt, dem Gerät dann per Software Leben eingehaucht werden.

qfix robotics, SWP 23.09.2011

Viele Wissenschaftler arbeiten jahrelang auf das hin, was Stefan Enderle mit gerade mal 40 Jahren schon wieder hinter sich gelassen hat: eine Stelle als Professor. Nur zwei Jahre hielt der Informatiker aus Blaubeuren, der inzwischen in Weißenhorn wohnt, an der Fachhochschule Isny Vorlesungen. Seit 2009 ist er "Fulltime-Geschäftsführer" seiner eigenen Firma, der im Sendener Gewerbepark untergebrachten Qfix Robotics. "Es macht mir einfach Spaß, Dinge zu entwickeln", sagt Enderle.

Schon im Studium ließ er sich erste Teile fräsen, um daraus einen Roboter zu konstruieren. 2005 gründete Enderle Qfix, um Bausätze für derartige Maschinen auf den Markt zu bringen. Los ging es mit "Crash Bobby", einem Starterpaket bestehend aus einer Grundplatte aus Aluminium, zwei Rädern, einem leistungsfähigen Controllerboard, Motoren, Abstandsensoren und der passenden Software - alles selbst entwickelt und produziert. Das Einsteigerset kostet heute knapp 100 Euro, einschließlich Infrarot-Bodensensor, mit dem die Maschine eine Linie erkennen und ihr folgen kann. Hört sich kompliziert an - und tatsächlich bedarf es einiger Tüftelei.

"Man muss die Dinge richtig zusammenschrauben, die Kabel einstecken, Programme schreiben und auf den Controller laden. Am meisten Spaß macht es dann, wenn man an die Platte Räder dranmacht", sagt Enderle. Es gilt also, Mechanik, Elektronik und Programmieren zu koordinieren, ein Systemdenken zu entwickeln, sagt der Ex-Professor. So sind die Bausätze geeignet für die Anforderungen im Fach Naturwissenschaft und Technik (NWT) an Gymnasien, das Baden-Württemberg als Vorreiter eingeführt hat. Zu den weiteren Abnehmern zählen Real-, Berufs- und Hochschulen. Oft kommen seine Produkte auch im Informatik-Unterricht oder in Arbeitsgemeinschaften zum Einsatz.

Vier komplette Baukästen hat Qfix heute im Angebot. Einer davon ist der "Soccer-Bot", womit ein durchaus beweglicher Fußballroboter konstruiert werden kann. Das wird an vielen weiterführenden Schulen praktiziert, die Schüler treten dann bei so genannten Robo-Cups gegeneinander an. Sehr erfolgreich mit Qfix-Geräten war mehrfach das Robotics Competence Center Illertal (Rocci) am Illertal-Gymnasium in Vöhringen. Auch das Team "LG Robots" vom Lessing-Gymnasium in Neu-Ulm, das 2009 Deutscher Meister war, setzt auf Qfix-Bausätze.

Die Werbung läuft über Mund-zu-Mund-Propaganda unter Lehrern und Schülern. Auch auf der Lehrmittelmesse Didactica ist Qfix ab und an mit einem Stand vertreten. Sein Ziel, die Spielwarenläden zu entern, hat Enderle aufgegeben - obwohl es der größte Konkurrent, der Bauklötzchenhersteller Lego, mit seiner Technik-Sparte geschafft hat. "Unsere Produkte sind erklärungsbedürftig." Bei Lego sei die Programmierung spielerischer, Qfix erfordere professionelles Vorgehen - fast wie im Berufsleben. Vorerst gibt es die Do-it-yourself-Roboter im Online-Shop bei Lehrmittelvertrieben, in Modellbaugeschäften und im Elektroversandhandel - das aber beinahe europaweit. Inzwischen sogar in Südkorea, ergänzt Enderle: "Die haben jetzt ordentlich bestellt."

Enderle tüftelt bereits an neuen Geräten: "Unser Ziel ist es, mehr Bausätze auf den Markt zu bekommen - die vorhandenen öfter und neue dazu." Der Roboterarm, eine Mini-Version der Maschinen in der Automobilindustrie, kommt zum Weihnachtsgeschäft heraus. Der Prototyp für einen Laufroboter, der sich spinnenartig auf sechs Beinen fortbewegt, ist fertig. Überdies tüftelt Enderle an einem System zur graphischen Programmierung seiner Controllerboards und Roboter, und mit einem Partner hat er einen Lernkoffer für die Elektroniker-Ausbildung erdacht. Nebenbei übernimmt der Familienbetrieb Qfix Entwicklungsaufträge. So entstand jüngst ein großer Offroad-Roboter.

Weil dem Wahl-Weißenhorner auch die Lehre Spaß macht, wirkt er an der Hochschule Esslingen mit an der Lehrerausbildung im Fach Naturwissenschaft und Technik. Ebenfalls in Esslingen ist der dreifache Vater Dozent für Echtzeitsysteme. "Mich fasziniert die Autonomie der Roboter, dass sie sich selbstständig bewegen, dass sie lernen, dass sie immer intelligenter werden", sagte der 40-Jährige mal in einem Interview. Eben diese Begeisterung will er mit seinen Bausätzen vermitteln.



Bericht der Südwest Presse vom 23.09.2011.